Karteikarte 10: Die Sache mit dem Starren

Oft habe ich Schwierigkeiten, mich auf eine Sache oder Tätigkeit zu fokussieren. Aber manchmal passiert es mir, dass ich Personen oder Objekte besonders stark fokussiere. Dann gerate ich in eine Art Ausnahmezustand. Die meisten Menschen, denen das auffällt, bezeichnen es als „Starren“.

Es passiert mir bei genau zwei Dingen:


Erstens: Bei Sachen, die mein besonderes Interesse wecken. Dann startet der folgende Vorgang: Beobachten > Interpretieren> Einspeichern. Besonders bei Tieren und Pflanzen passiert mir das oft. Noch extremer ist es allerdings bei mechanischen Maschinen. Ich beobachte jedes Teil, jede Veränderung, und versuche, mir über die gesamte Funktionsweise klar zu werden. Wenn man jetzt versuchen wollte, mich von meinen Beobachtungen abzuhalten, findet eines der folgenden Szenarien statt:

  1. Ich reagiere nicht. Es könnte genauso gut eine Bombe neben mir explodieren, und ich würde in keinster Weise reagieren. Der Effekt auf Dich: Du denkst, Du wirst absichtlich ignoriert und wirst sauer. (Um das auszuräumen: Ich kann nichts ignorieren, selbst wenn ich es versuche. Wenn ich also nicht reagiere, bemerke ich Dich einfach nicht.)
  2. Ich reagiere ungehalten, da ich in der momentan für mich wichtigsten Tätigkeit von Dir unterbrochen wurde. Der Effekt auf Dich: Du bist entweder überrascht („Sie hat doch nur geguckt?!“) oder du bist ebenfalls genervt, weil ich dich soeben angefahren habe. (Das hängt dann von Deinem Temperament ab.)

Besuche in Museen, Tiergärten oder Ausstellungen können also durchaus auch für Menschen in meiner Umgebung anstrengend sein, und nicht nur für mich wegen der vielen ungefilterten Eindrücke.


Zweitens: Bei bestimmten Menschen, bei denen ich wohl von ihrem Aussehen, Auftreten und Verhalten fasziniert bin (es ist wie eine neue Spezies zu erforschen). Ab dann fällt meine Wahrnehmung in eine Art Stand-by Modus. Ich beobachte nur noch diese Person und verliere ein wenig die Kontrolle über meine Ausdrücke oder meine Handlungen. Ich bin kein besonders auffälliges Mädchen, also bemerken diese Menschen mich bei kurzen Begegnungen nicht (an Bahnhöfen, in Einkaufsläden oder auf Veranstaltungen).

Ein größeres Problem ergibt sich, wenn ich mit dieser Person viel zu tun habe, sie zum Beispiel meine Lehrerin ist. Wenn ich andauernd den Faden verliere und die Lehrerin anstarre, fällt die Konzentration auf den Unterricht schwer. Wenn mich dann jemand auf das Starren hinweist, ärgere ich mich über mich selbst, da ich mal wieder die Kontrolle verloren habe. Außerdem ist es für die meisten Menschen unangenehm, wenn sie ununterbrochen angesehen werden. Andererseits ist es eine der wenigen Situationen, in denen ich Leuten direkt in die Augen sehen kann.

Mein Fazit: Totaler Fokus kann bei der Analyse eines Prozesses sehr nützlich sein, kann aber bei Menschen falsch aufgefasst werden. Themen von besonderem Interesse können den Alltag durch Kontrollverlust aber stark beeinflussen, wenn sie in den Fokus geraten.

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